Die Praxisgründung ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Berufsleben eines Zahnarztes. Richtig geplant ist sie der Weg in die berufliche Unabhängigkeit. Dieser Leitfaden führt dich durch alle wesentlichen Schritte.
Schritt 1: Gründungsart wählen
Neugründung vs. Übernahme:
| Kriterium | Neugründung | Übernahme |
|---|---|---|
| Investitionskosten | Hoch (400.000–800.000 €) | Variabel (je nach Praxiswert) |
| Anlaufzeit | 6–18 Monate bis Vollauslastung | Sofortiger Patientenstamm |
| Gestaltungsfreiheit | Sehr hoch | Eingeschränkt |
| Risiko | Höher | Geringer |
Für Berufseinsteiger empfiehlt sich oft die Übernahme – der Patientenstamm gibt Sicherheit in der Startphase.
Schritt 2: Standortanalyse
Die Standortwahl ist entscheidend und häufig unterschätzt:
- Einwohner pro Zahnarzt in der Zielregion (ideal: unter 1.500)
- Demographie: Altersstruktur, Kaufkraft, Krankenversicherungsstruktur (KV-Anteil)
- Erreichbarkeit: Parkmöglichkeiten, ÖPNV, Fußläufigkeit
- Sichtbarkeit: Erdgeschoss mit Schaufenster-Effekt oder ruhige Praxislage?
- Konkurrenz: Anzahl und Spezialisierungen anderer Praxen im Umkreis
Professionelle Standortanalysen bieten KZV-nahe Beratungsstellen und private Unternehmensberater (Kosten: 2.000–8.000 €, gut investiert).
Schritt 3: Finanzierung planen
Typische Kostenpositionen:
- Umbau und Renovierung: 50.000–200.000 €
- Behandlungseinheiten (2–3 Stück): 80.000–180.000 €
- Röntgen, DVT, Scanner: 30.000–100.000 €
- Praxissoftware + IT: 10.000–25.000 €
- Erstausstattung Material: 15.000–30.000 €
- Liquiditätsreserve (6 Monate): 80.000–150.000 €
Finanzierungsquellen:
- KfW-Förderprogramme (ERP-Gründerkredit): günstiger Zinssatz, tilgungsfreie Anlaufjahre
- Hausbank (Investitionskredit): oft kombiniert mit KfW
- Bürgschaftsbanken bei fehlendem Eigenkapital
Eigenkapitalanteil: Mindestens 15–20% anstreben.
Schritt 4: Zulassung bei der KZV
Für GKV-Zulassung: Antrag beim Zulassungsausschuss der KZV. Voraussetzungen:
- Approbation als Zahnarzt
- Keine Zulassungsbeschränkung im Planungsbereich (Sonderbedarfszulassung bei Überversorgung möglich)
- Praxisräume entsprechend den Mindestanforderungen
Tipp: KZV-Beratungsstellen helfen kostenlos bei der Zulassungsplanung.
Schritt 5: Personal
Erfahrungsgemäß unterschätzen Gründer den Zeitaufwand für Personalführung erheblich.
- Für eine 2-Zimmer-Praxis: 2–3 ZFA (mindestens 1 als Vollzeit)
- Ausbildung eigener ZFA als langfristige Strategie
- Arbeitsverträge: Standardmuster der Kammer nutzen, ggf. Anwalt für Sonderklauseln
Zeitplan: 12 Monate bis zur Eröffnung
| Monat | Meilenstein |
|---|---|
| -12 | Gründungsentscheidung, Beraterauswahl |
| -10 | Standortanalyse, Objektsuche |
| -8 | Finanzierungsantrag |
| -6 | Mietvertrag, Umbauplanung |
| -4 | Gerätekauf, KZV-Zulassungsantrag |
| -2 | Personaleinstellung, Softwareinstallation |
| -1 | Praxisausstattung, Testbetrieb |
| 0 | Eröffnung |
Häufige Fehler bei der Gründung
- Unzureichende Liquiditätsreserve (der häufigste Grund für Insolvenz in den ersten 2 Jahren)
- Standort nicht ausreichend analysiert
- Zu früh zu groß (3+ Zimmer von Anfang an)
- Kein erfahrener Praxisberater hinzugezogen
- Vertragsprüfung durch Anwalt weggelassen