Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet voran – manchmal schneller als die Praxen mithalten können. Dieser Artikel gibt dir einen realistischen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen und was konkret zu tun ist.
Elektronische Patientenakte (ePA) – Stand 2026
Seit dem 15. Januar 2025 wird die ePA für alle gesetzlich Versicherten automatisch angelegt (Opt-out statt Opt-in). Als Praxis musst du:
- TI-Anbindung sicherstellen (Konnektor + VPN-Zugangsdienst)
- PVS-Update installieren (dein PVS-Anbieter muss ePA-kompatibel sein)
- Praxiskarte (SMC-B) und Heilberufsausweis (HBA) für Mitarbeiter
- Mitarbeiter schulen auf den Umgang mit der ePA
Realitätscheck: Die ePA füllt sich zunächst automatisch mit Medikamentsdaten, AU-Bescheinigungen und Laborbefunden. Als Arzt kannst du aktiv Dokumente einstellen und abrufen – aber nicht alle Patienten haben das freigegeben.
Telematikinfrastruktur (TI) – was du haben musst
Pflicht für alle zugelassenen Praxen:
- Konnektor (hardware- oder cloudbasiert)
- Praxisausweis (SMC-B)
- Heilberufsausweise (HBA) für alle approbierten Personen in der Praxis
- KIM (Kommunikation im Medizinwesen) – verschlüsselter Nachrichtendienst
Sanktionen bei fehlender Anbindung: Honorareinbehalt von 2,5% durch die KV/KZV.
E-Rezept
Das E-Rezept ist seit 2024 flächendeckend verpflichtend. Wichtig:
- Ausstellen über TI-fähiges PVS
- Patienten können Rezept in der ePA oder als Ausdruck erhalten
- BtM-Rezepte: noch nicht vollständig digitalisiert (Stand 2026)
KI in der Praxis – was ist sinnvoll?
Bereits praxistauglich:
- KI-gestützte EKG-Auswertung (kardiale Vorsorge)
- Automatisierte Befundung von Röntgenbildern (Zahnmedizin: Karies-KI wie Denti.AI)
- Sprachassistenten für Diktat und Dokumentation
In Entwicklung:
- KI-gestützte Diagnostik-Assistenz
- Predictive Analytics für Recall und Terminplanung
Praktische Empfehlungen
- PVS-Vertrag prüfen: Ist dein Anbieter ePA-kompatibel und wie schnell kommen Updates?
- Konnektor-Wartung: Läuft der Konnektor stabil? Regelmäßige Updates einspielen.
- Datenschutz: DSGVO-Schulung für das Team jährlich wiederholen.
- Budget planen: Rechne mit 2.000–5.000 € jährlichem IT-Budget pro Praxis.
Fazit
Die Digitalisierung ist keine Frage des "Ob", sondern des "Wann und Wie". Praxen, die jetzt in stabile Infrastruktur investieren, werden langfristig profitieren – durch Zeitersparnis, weniger Fehler und bessere Vernetzung.